Geschichte

In einem unbekannten Land zu einer unbekannten Zeit lebte ein junger Mann namens Robin. Er war angestellt als Hufschmied am Hofe der unglücklichen Kaiserin. Alles lief zu seinem Besten, er hatte eine angesehene Arbeit, ein mittelgrosses Haus und eine warmherzige Frau.

Doch wie es das Schicksal nun wollte, kam eine Zeit, in der seine Frau fürchterlich krank wurde und kurz darauf an den Folgen dieser Krankheit verstarb. Nach dem Begräbnis versank Robin in eine tiefe Trauer. Weder sein Haus, noch seine Arbeit oder sein Geld konnten ihn aufheitern. Auch seine Kollegen und Bekannten redeten ihm zu, dass es zwar eine schlimme Sache sei mit dem Tod seiner Frau, doch habe er noch genug Dinge an denen er sich erfreuen könne. Er entspräche doch mehr dem kaiserlichem Standard, als die meisten von ihnen. Doch Robins Trauer wurde immer stärker und so packte er schliesslich seine Sachen und ging fort.

Er zog los, durch den von der kaiserlichen Baubrigade errichteten Wald der künstlichen Bäume. Jeder Baum glich dem anderen bis auf die prachtvollen Früchte die sie trugen, die Äpfel sahen makellos gleich aus, die Bananen, Kirschen und Beeren wirkten perfekt. Eine Frucht glich der anderen. Während er staunend an den Bäumen vorbei lief beschlich ihn irgendwann ein komisches Gefühl, das Gefühl ein komischen Leere, als ob ihm etwas fehlte. Er konnte nur nicht genau sagen was es war. Grübelnd lief er weiter bis an den äusseren Rand der kaiserlichen Bäume, wo er schliesslich überrascht inne hielt. An diesen Ort verirrte sich eigentlich niemand mehr her, und auch die Bäume sahen hier ganz anders aus, sie waren krum, klein, manche groß und verworren. Teils waren sie behangen mit Kletterpflanzen, teils mit Pilzen oder anderen Pflanzen bewachsen. Einige Bäume waren riesen groß, deren sichere Kronen allerdings einluden zum sicheren verweilen. Staunend tabbte er durch diese Wildnis als ihm plötzlich ein unglaublich schöner, leicht süßlicher Geruch in die Nase stieg. Dem Duft folgend entdeckte er auf einmal ganz sonderbare Früchte an den Bäumen. Wie er so die Früchte betrachtete, fiel ihm auf das die Äpfel sich unter einander unterschieden, einige waren grün, klein, oval, rund, rot und gelb. Robin ging weiter durch den anscheinend unberührten Wald, als er plötzlich ein leises Geräusch hinter dem nächsten Baum vernahm. Er umrundete den Baum und sah eine Gruppe merkwürdig gekleideter Leute, die gemeinsam friedlich um einen Kochtopf saßen.

Entspannt unterhielten sie sich, schlürften ihre Suppe und streichelten danach genüsslich Ihren Bauch. Es wirkte ganz, als würden sie einfach danach leben, wozu sie Lust haben. Auch ihre Kleidung sah sehr gemütlich aus und strebte gar nicht nach der kaiserlichen Mode. Ihr Umgang miteinander wirkte respektvoll, ja gar friedvoll und harmonisch. Als sie ihn sahen, kamen sie lächelnd auf ihn zu, und boten ihm etwas zu Essen an. Bei näherem Hinsehen schienen sie sogar andersartiges Essen zu haben: Ihre Tomaten waren zum Beispiel kleiner und knallrot. Nicht so gross und orange wie die des Kaiserreiches. Auch schmeckten sie seltsam fruchtig und gar süss, nicht so wässrig, wie die kaiserlichen. So blieb er, und lebte von nun an mit den friedlichen Menschen zusammen in der Wildnis. Eines Abends kam ihm der gedanke : „Ich bin doch Schmied! Warum baue ich nicht einen Baum, der wie eine Maschine funktioniert. Eine Maschine, die Essen produziert - man könne sich eventuell sogar dem Materiel der alten verlassenen Bäume bedienen“. So zog er los und fing an, einen solchen Baum zu bauen. Er sammelte viel an Material, und es dauerte einige Zeit, bis er endlich fertig war und einziehen konnte. Es war fantastisch dort zu Leben! Langsam hatte er weit mehr zu Essen, als er brauchte, und je selber hätte alles alleine essen können.

Eines Tages verirrten sich ein paar Bettler vor seiner Tür, und betrachteten staunend sein Pflanzenreichtum. Als sie ihn erblickten, fragten sie, ob sie ein wenig ruhen dürften in seinem Paradies. „Sehr gern, fühlt euch zu Hause“ antwortet er. So liessen sie sich auf die mit Palmenblätter ausgelegten Baumwurzeln nieder. Mit knurrenden Magen holte Robin kurze Zeit später ein Korb mit Früchten und teilte es mit den Bettlern. Überwältigt von den leckeren Früchten und der Freundlichkeit bedankten sie sich nach einigen Stunden herzlichst und verabschiedeten sich. Immer wieder kamen die Bettler bei ihm vorbei und immer wieder saßen sie einige Stunden zusammen, genossen das gute Essen in Robins kleinem Pflanzenparadies. Was nach und nach zur Gewohnheit wurde.

Nach ein paar Monaten frug einer der Bettler, warum er ihnen immer zu Essen gebe, aber nie etwas dafür fordere oder wolle - und dies, obwohl sie noch nie auch nur ein Stück für ihn gearbeitet hatten! Da antwortete er : „Ich habe mehr als genug zu Essen, als dass ich es jemals allein aufessen könne. Ausserdem müsstet ihr doch sonst auch hungern“. Sie schauten sich verdutzt an: „Geht es dir denn niemals aus?“ fragte ein anderer. „Denke nicht…“ grinste er. „Solange ihr nicht viel mehr werdet - nein, ich denke nicht dass dies geschähe.“ Die Bettler schauten sich erneut verdutzt an. „Aber wieso verkaufst du es denn nicht?“ wunderten sie sich. „Weil mich Geld in der Vergangenheit nicht glücklich machte. Geld hatte ich genügend. Ausserdem hättet auch ihr dann nichts davon und müsstet wieder hungern. So wäre also keinem geholfen.“ Sie schwiegen alle eine Weile bis einer der Bettler schliesslich die Stille unterbrach, und frug, ob er sich denn irgendwie erkenntlich zeigen, oder ihm etwas helfen könne. „Hmm…“ überlegte Robin, „es ist ja eigentlich schon alles fertig… es sei denn…“, er hielt inne, und kratzte sich am Kopf. „Ihr wollt euch einen eigenen ShareFoodTree bauen!? Ich könnte euch dabei helfen!“ - „Gern!“ sagte der Bettler sofort. Die anderen drehten sich zu ihm um, und schauten ihn erstaunt an. So gleich wandten sie sich zu Robin, und meinten:„Wir wollen auch helfen!“ - „Ich war sogar früher mal Schreiner…“ setzte einer noch hastig nach. „Uns hat schon lange niemand mehr arbeiten lassen seit der neuen kaiserlichen Verordnungen.“ „Also gut.“ meinte Robin.

Und so fingen sie an, gemeinsam einen weitere ShareFoodTree zu bauen. Von diesem Zeitpunkt an nannten sie ihn Robin Food, und die Bäume nannten sie den ShareFoodForest. Auch Musiker und andere Künstler fingen an, die Idee weiterzutragen. Und Schriftsteller begannen sie niederzuschreiben. Je mehr Bäume sie pflanzten, desto mehr gutes Essen konnten sie an andere verschenken. Dies hatte zur Folge, dass die Menschen im Kaiserreich ein Stückchen zufriedener und sorgenfreier wurden. So geschah es im Laufe der Zeit, dass niemand mehr im Kaiserreich für Essen zahlen musste, und sie sogar für andere Kaisertümer ein Vorbild waren. Jene fingen an, es ihnen gleich zu tun. Am Ende musste niemand mehr hungern auf dieser Erde.

Und somit wurde auf der Erde das erste Mal die Basis geschaffen miteinander, nicht gegeneinander zu leben.

-

pi