Wie baut man ein Kompostklo?

Kurzanleitung in Anlehnung an unseren Permakultur-Workshop zum Bau einer Komposttoilette vom 13. bis 15. April 2012 mit Permakulturgestalter Erwin Zachl

Wo kein fließendes Wasser vorhanden ist und trotzdem eine Toilette benötigt wird,stellt sich schnell die Frage, wie DAS denn gehen soll. Da wir bei o'pflanzt is! genau dieses Problem hatten und zu diesem Zweck eine Komposttoilette gebaut haben, wollen wir unsere Erfahrungen mit Euch teilen, damit ihr selber eines bauen könnt.

Grundsätzliches:

Ein Kompostklo hat, neben der Tatsache dass kein Wasser gebraucht wird, noch den Zusatznutzen, dass die angesammelten „menschlichen Abfallstoffe“ wieder in den Nährstoffkreislauf zurückgeführt werden können, sprich Ihr Euren Garten damit düngen könnt. Viele von Euch denken sich jetzt bestimmt: „Igitt, das stinkt doch!“ Die Antwort darauf ist: „Nein, ein funktionierendes Kompostklo stinkt NICHT!“

Das einzige Problem, bzw. eine Sache über die man sich in unserer modernen Welt Gedanken machen sollte, ist die Tatsache, dass der Mensch, bedingt durch Medikamenteneinnahme, oftmals selbst jede Menge Chemikalien ausscheidet. Man denke beispielsweise an die Menge an Hormonen mit denen sich viele Frauen in Form der „Pille“ belasten, oder diverse Psychopharmaka.

Bau eines Kompostklos:

Zur Stabilisierung des Aufbaus braucht das Kompostklo zunächst ein anständiges Fundament.

Abb. 1: Vorbereitung des Fundaments

Abb. 1: Vorbereitung des Fundaments

 Abb. 2: Ausnivellieren der Betonsteine

Abb. 2: Ausnivellieren der Betonsteine

Zuerst sollte das ausgesuchte Bodenstück von etwaigem Bewuchs befreit und eingeebnet werden.

Danach trägt man eine Schotter-Schicht auf, die mindestens 5 cm dick sein sollte. Die benötigte Menge an Schotter lässt sich leicht berechnen: Länge x Breite x Schichtdicke, alles in Meter, ergibt die Menge an Schotter in Kubikmetern. Wie in Abb. 2 zu sehen ist, werden dort, wo die Wände der Hütte später stehen sollen, Betonsteine auf den Schotter gelegt und sorgfältig mit Hilfe einer Wasserwaage ausnivelliert.

Jetzt geht's an die Konstruktion des Aufbaus. Ob die Wände der Hütte aus Brettern konstruiert oder irgendwelche bestehenden Teile verwendet werden, bleibt dem Bauherrn selbst überlassen. In unserem Fall hatten wir fertige Bühnenelemente zur Verfügung die verschraubt wurden.

Abb. 3: Aufbau der Seitenwände

Abb. 3: Aufbau der Seitenwände

Wie gesagt, die Seitenwände unseres Klos bestehen aus Fertigteilen. Da die Philosophie unseres Gartens viel mit Re- und Upcycling zu tun hat, nehmen wir was wir geschenkt kriegen. Hier eine Zeichnung unseres Klos mit Bemaßung:

Abb. 4: Maße unseres Kompostklos

Abb. 4: Maße unseres Kompostklos

Anmerkung: Die Abmessungen unserer Hütte ergaben sich zum Teil aus der Größe der fertigen Bühnenelemente und der Anforderung, dass es behindertengerecht sein sollte; je nach Lust und Laune kann jeder die Größe seiner Hütte selbst festlegen. Ein paar Masse sind allerdings für die Funktion wichtig, diese sind rot gekennzeichnet.

Die Höhe und Breite des kleinen Türchens auf der linken Seite sollten so sein, dass die Fäkalientonne zum Entleeren herausgenommen werden kann. Die Höhe der Klobrille, also die Höhe auf der man „thront“, muss auch sorgfältig, evtl. durch vorherige „Sitzversuche“, ermittelt werden. Weiter geht’s mit dem „Dachstuhl“.

Abb. 5: Unser Dachstuhl

Abb. 5: Unser Dachstuhl

In unserem Fall hatten wir eine fertige Konstruktion, die etwas modifiziert wurde dass sie unseren Ansprüchen genügt. Natürlich ist auch ein flaches Dach denkbar, es sollte aber auf eine gewisse Schräge, am besten nach hinten, geachtet werden, damit der Regen abfließen kann.

Weiter geht's mit der Innenausstattung. Die Fläche, auf der man sitzt, besteht einfach aus 2 verschraubten großen Brettern. Die Höhe sollte so gewählt werden dass man bequem darauf sitzen kann. In die Mitte wird ein Loch gesägt, auf das die Klobrille passt, wie Abb. 6 illustriert.

Abb. 6: Montage der Klobrille

Abb. 6: Montage der Klobrille

Abb. 7: Gummilappen der dafür sorgt dass alles sauber in die Tonne fällt

Abb. 7: Gummilappen der dafür sorgt dass alles sauber in die Tonne fällt

Abb. 8: Abdichtung der Klobrille

Abb. 8: Abdichtung der Klobrille

Es ist wichtig, wegen der Fliegen, die Klobrille mit Hilfe eines selbstklebenden Schaumstoffbandes oder ähnlichem abzudichten. Der schwarze Lappen auf Abb. 7 hat den Zweck, dass die Fäkalien sauber in die Tonne fallen und nicht die Konstruktion beschmutzen.

Kot und Urin müssen getrennt werden. In Abb. 9 ist zu sehen, dass unter der Fäkalientonne unterirdisch ein Rohr nach außen in den Auffangbehälter (Kanister) für den Urin führt.

Abb. 9: Fäkalientonne, Urinabscheider und Urinkanister von vorne

Abb. 9: Fäkalientonne, Urinabscheider und Urinkanister von vorne

Abb. 10: Urin-Auffangschale unter der Sitzfläche

Abb. 10: Urin-Auffangschale unter der Sitzfläche

Abbildung 10 zeigt die Urin- Auffangschale, aus der ein Rohr nach außen in den Urin-Kanister führt. Die Schale wird von einem Baustahl-Gitter abgedeckt, worauf die Fäkalientonne steht.

Die Fäkalientonne selbst sieht so aus:

Abb. 11: Fäkalientonne mit Loch fürs Lüftungsrohr

Abb. 11: Fäkalientonne mit Loch fürs Lüftungsrohr

Abb. 12: Fäkalientonne von unten

Abb. 12: Fäkalientonne von unten

An den Seilen auf Abb. 11 kann die Tonne später aus dem Klo gezogen werden, um sie zu leeren. In das große Loch wird später das Entlüftungsrohr gesteckt.

Wie in Abb. 12 zu sehen ist, wurden in den Boden der Tonne zahlreiche Löcher gebohrt, durch die der Urin in die Auffangschale und schließlich in den dafür vorgesehenen Kanister fließen kann.

Ein weiterer wichtiger Bestandteil der Komposttoilette ist das Rohr zur Entlüftung. Der Prozess der Kompostierung braucht nämlich Sauerstoff, da die daran beteiligten Bakterien „aerob“ sind.

Abb. 13: Belüftungsrohr

Abb. 13: Belüftungsrohr

Abb. 14: Nahaufnahme

Abb. 14: Nahaufnahme

Zwischen dem grünen und dem roten Teilstück ist ein Netz eingeklemmt, und am Ende des grünen Stückes befindet sich eine Plexiglasplatte. Grund dafür sind Fliegen, die bekanntermassen von Fäkalien magisch angezogen werden. Fliegen übertragen Krankheiten, daher muss dafür gesorgt werden, dass zum einen möglichst wenig Fliegen in die Fäkalientonne gelangen können, zum anderen Fliegen, die bereits drin sind, nicht mehr herauskommen. Die Plexiglasscheibe lässt Licht ins Rohr, die Fliegen steuern darauf zu, kommen aber nicht durch das Netz. Genauso wenig können sie von außen hineinfliegen.

Das Belüftungsrohr führt letztendlich aus dem Klo hinaus, wie Abb. 15 zeigt.

Abb. 15: montiertes Belüftungsrohr

Abb. 15: Montiertes Belüftungsrohr

Hinweise zur Benutzung:

  • Wurde die Fäkalientonne geleert, muss ihr Boden mit ca. 10cm Laubmulch bedeckt werden.
  • Nach der Benutzung eine Handvoll Streumaterial auf die Hinterlassenschaft werfen, und zwar so viel, dass Flüssiges gebunden und Festes bedeckt wird.
  • Klodeckel und Tür nach der Sitzung gut verschließen (Fliegen)
  • Tampons sind aus Baumwolle und daher OK, Damenbinden bitte nicht ins Klo werfen, weil sie zum Teil aus Kunststoff bestehen
  • Wenn Rindenschrot oder Toilettenpapier ausgehen, bitte darum kümmern
pi